Mode zur Vermählung einst und jetzt

War das Kleid, das die Braut zur Hochzeit trug schon immer weiß?

Wir möchten Ihnen hier auf dieser Informationsseite einen kleinen aber speziellen Überblick geben über die neuere Modegeschichte in Westeuropa, Zentraleuropa und Wien – über Kleider, die von Frauen zur Vermählung getragen wurden, nämlich Brautmode. Es war nicht immer so, dass eine Frau tragen konnte, was ihr gefiel. Gerade in Adelshäusern war die Mode an strenge Regeln und Traditionen gebunden. Eleganz war an große körperliche Strapazen gebunden, denken wir nur an das Korsett. Dass Frauenkleidung lang sein musste, war selbstverständlich. Es dauerte fast bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, als Röcke plötzlich nicht mehr die Knie bedecken mussten. Im Laufe der der Jahrhunderte wurden die Stilrichtungen immer individueller und zahlreicher.

Hochzeit auf Brücke
Brautkleid in weiß

Die Tradition, dass in der westlichen Welt und vor allem im westlichen Europa „in weiß“ geheiratet wird, ist noch nicht so alt, wie man vielleicht vermuten würde. Erst ab dem frühen 17. Jahrhundert findet sich im Adel der erste Nachweis eines hellen Hochzeitskleides. Diese Überlieferung verdanken wir unter anderem Peter Paul Rubens, der das helle, eierschalenfarbene Brautkleid aus Seide, dass Maria de’ Medici bei ihrer Vermählung mit Heinrich IV getragen hat, auf Leinwand verewigt hat. Genau genommen waren es zwei Hochzeitstermine. Der erste war per procurationem (der Bräutigam ist durch einen Stellvertreter substituiert) im April 1600 in Florenz, der zweite im Dezember 1600 mit dem „richtigen“ Bräutigam in Lyon.

Schon früh wurde also eine Monarchin zur modischen Trendsetterin, denn dies dürfte in Sachen Hochzeitsmode im adeligen Europa von nun an den Ton angegeben haben. Ab diesem Zeitpunkt wählten immer mehr Prinzessinnen und Königinnen ein helles oder sogar weißes Brautkleid zur Eheschließung aus.

Dass die Farbe weiß mit Unschuld, Reinheit und Jungfräulichkeit in Verbindung gebracht wurde und wird, könnte mit religiösen Vorstellungen und der Glorifizierung von Jungfräulichkeit und Unangetastetheit zusammenhängen. In anderen Teilen der Welt, wie zum Beispiel in mehreren Ländern Asien, hat weiß eine ganz andere, sogar gegenteilige Bedeutung – es gilt als Trauerfarbe.

Fast 300 Jahre später war es Sisi, die mit ihren jungen sechzehn Jahren ein weißes Hochzeitskleid zur Hochzeit in der Augustinerkirche in Wien trug. War es damals der Hofschneider oder berühmteste und begehrteste Schneider seiner Zeit, der restlos auf alle individuellen Wünsche der Braut eingegangen ist, so gibt es auch heute die Möglichkeit, einzigartige Brautkleider im Herzen von Wien anfertigen zu lassen oder ein Unikat einer exklusiven Kollektion in höchster Qualität zu erwerben.

Wie sah damals die Brautmode jenseits des Adels in der Unter- oder Mittelschicht aus? Die ältesten Überlieferungen zu Hochzeitsbräuchen (Zeichnungen) zeigen, dass die Braut immer in der Stammestracht oder in späteren Zeiten in der Regionaltracht zur Vermählung schritt. In Mitteleuropa zeugen zahlreiche Zeitdokumente davon, dass im „besten“ Kleid (Sonntagskleid) geheiratet wurde. Die Farbwahl war dunkel, schwarz oder Trachtenfarben. Die Kleider, die zur Vermählung getragen wurden, sollten natürlich bei beiden Ehegatten den finanziellen Wohlstand und die Herkunft zur Schau stellen. An Verzierungen, Stickereien, eingearbeiteten Perlen und Edelsteinen wurde nicht gespart. Man wollte so prachtvoll wie möglich für einen Tag Prinzessin oder Königin sein.

Erst etwa ab den 1920er Jahren hat das heute allgemein bekannte, weiße Brautkleid für seinen Siegeszug angetreten. Sicher auch begünstigt durch die mediale Verbreitung eines neuen Mediums – der Fotografie und wenig später des Fernsehens.

Die edle Kunst der Brautmode Herstellung ist in Wien glücklicherweise nicht ausgestorben. Bis heute wird die Tradition auserlesener, handgefertigter und massgeschneiderter Hochzeitsmode hochgehalten. Solomia ist im ersten Wiener Gemeindebezirk zu finden und entwirft selbst Brautkleider, die sich maßgeblich von anderer Brautmode unterscheiden. Die Herstellung geschieht ausschließlich in kunstvoller Handarbeit.